Erster „Musikzug“ in der 50ern

Das Corps wünschte sich immer schon eigene Musiker 

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Mit Pauke, Fanfare und Fanfarentuch wurden akustische und optische Akzente gesetzt
Schon damals trat das Stadtsoldaten-Corps mit einem eigenen „Musikzug“ im Karneval auf.

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2009 - Der Musikzug wird 25 Jahre
Wie alles angefangen hat

Wir schreiben das Jahr 1984. Das Stadtsoldatencorps „Rut-Wieß“ Linz von 1934 e.V., ein
traditionsreiches Corps im Linzer Karneval, hat gerade sein 50jähriges Vereinsjubiläum
gefeiert. Alles lief bestens….

...alles?

Bereits seit längerer Zeit hatte man neidisch auf die großen Kölner Karnevalscorps geschielt, die schon immer mit eigener Musik durch die Säle zogen. „Das wollen wir auch haben!“, dachte sich
Kommandant Martin Scherer und beschloss gemeinsam mit seinen Kameraden aus dem Vorstand, einen corpseigenen Musikzug ins Leben zu rufen.

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Generalprobe am KD-Schiffsanleger
Kurz vor dem ersten öffentlichen Auftritt vor der Stadtsoldatenfamilie wurde das Programm nochmals geübt.

So begab es sich, dass sich an einem nasskalten Oktoberabend ein paar tapfere, musikbegeisterte Erwachsene und Jugendliche in der Gaststätte
„Zur bunten Stadt“ (beim „Wagners Jünter“) trafen und kurzerhand diesen Musikzug gründeten. Nachdem alle Instrumente verteilt waren, tat
sich schon die erste Frage auf: “Wo können wir denn üben?“. Freundlicherweise stellte dann Günther Wagner – Bruder des ersten Tambourmajors Peter Wagner (1984/85 Jubiläumsprinz
Peter Josef Maria I.) – seinen Saal über seiner Gaststätte zur Verfügung, um dort die ersten musikalischen Gehversuche zu unternehmen.Um diese Bemühungen zu unterstützen,
kamen zwei Mitglieder des Tambourcorps Dattenberg – die für die Stadtsoldaten schon viele Jahre an den Karnevalstagen gespielt hattenzu Hilfe. Somit wurde sich einmal
wöchentlich im Saale Wagner zum Üben getroffenOftmals in dicken Jacken, da der Saal im Winter nicht richtig beheizt wurde.
So wurde in mühsamer Arbeit den Trommlernzunächst auf Holzstühlen und Frühstücksbrettchen das Wirbeln und im Nebenraum den Flötisten das Musizieren beigebracht.
Dank der Geschwister Richarda und Arno Honnef, die mit viel Geduld und Mühe die angehenden Musikern trainierten, und dem unglaublichen Idealismus einiger Kameraden,
Eltern und natürlich der Jugendlichen kam langsam Leben in die Bude.

alt Im Rahmen des Familienausfluges am 14. September 1985
präsentierte der junge Musikzug sein Können.

Beim Familienausflug am 14. September 1985 wurde dann der Musikzug der Stadtsoldatenfamilie vorgestellt. Im Rahmen eines Ausfluges mit der Linzer Fähre fand
das erste „Konzert“ statt. Vorher wurde das Programm noch schnell im Stadtgarten, am KD-Anleger geprobt.
Dann starteten die Proben für die erste Karnevalssession. Da die Übungsbedingungen im Saale Wagner nicht die besten waren, zog man schließlichmit Unterstützung
der Stadt Linz – in Räumlichkeiten der alten Hildegardisschule um. Dort probte man das neue Programm und nutzte den Schulhof, um weiter an der Marschtechnik
zu feilenJetzt konnte sie kommen, die erste Session! Auf der Prinzenproklamation zu Ehren
von Prinz Hansi (Knopp) I. „von Trumm und Schlauch“ auf der Bühne des Hotel Palm, wurde man die Feuerprobe erfolgreich bestanden.
Die erste Session startete direkt mit viel Schnee

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1988 - Gastauftritt auf dem Meckenheimer Markt
Erfolgreicher Bühnen-Auftritt beim Biwak der befreundeten Meckenheimer Stadtsoldaten. 

Bei einem Besuch des Linzer Franziskus Krankenhauses war es so kalt (es wurde -21° Celsius gemessen), dass die Flöten eingefroren sind und von der Lyra kein Ton
mehr zu hören war. Der erste Rosenmontagszug endete somit auch im tiefen Schnee vor dem Rathaus auf dem Linzer Marktplatz. Auch bei auswärtigen Auftritten vermochte
der Musikzug fortan zu begeistern. Die Freundschaft zu den Meckenheimer Stadtsoldaten führte 1988 zu einem Besuch auf deren Biwak, das auf dem Markt in Meckenheim stattfand.


Ein weiterer Höhepunkt war dann schließlich der Besuch bei den Altstädtern in Köln an Weiberfastnacht 1988. Empfangen wurde der Musikzug im „Alt Köln“ direkt am Dom.
Von dort zog man gemeinsam durch die Kölner Altstadt zum „Altermarkt“, wo uns Tausende von Karnevalsjecken auf den Tribünen begrüßten.
M U S I K Z U G Zwischen „Höhner“ und „Bläck Fööss“ brachte man mit „Heidewitzka, Herr Kapitän“, „Ruckizucki“ und dem “Treuen Husar“ den
„Altermarkt“ zum Singen und Schunkeln. Selbst Tommy Engel sagte hinterher:“Dat hadder joot jemaat!“ Berauscht von der tollen Atmosphäre und ein paar Kölsch,
machte sich das Corps wieder auf nach Linz.
Nach der Session 1988/89 trat Peter Wagner als Tambourmajor zurück und machte Platz für Heiner Salz, der bis 1990 dem Musikzug vorstand. In den Jahren 1990 bis 1991 leitete
Gregor Homscheid den Musikzug. Nach langem Suchen kam erstmalig ein „auswärtiger“ Tambourmajor nach Linz. Aus Unkel konnte Roland Tillmann gewonnen werden,
der Erfahrung aus dem Tambourcorps Unkel mitbrachte. Ebenfalls brachte er seine beiden Brüder Georg und Stefan mit, die den Musikzug gemeinsam unterstützten.

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Mit dem Wechsel an der Vereinsspitze begann auch die Dienstzeit des ersten
„Fachoffiziers“ der Stadtsoldaten. In der Karnevalssession 1992/93 übernahm Heinz Lück die Stabführung, die er schließlich sechzehn Jahre lang inne haben sollte.
Als 1994 das Funkencorps „Blau- Wiess“ zum ersten Mal den Bürgerfrühschoppen in der Sporthalle am Miesgesweg durchführte, nahm sich der Lücke Hein beim Auftritt
des Corps kurzerhand das Mikrophon und begann zur Musik des Musikzuges zu singen (Foto).
Dies kam beim Publikum so gut an, dass die Gesangseinlage seit dem ein fester Bestandteil bei jedem Auftritt des Musikzuges wurde.
Auch außerhalb des Karnevals war der Musikzug aktiv. Sei es im Martinszug in Linz oder im Erntedank- und Winzerzug in Dattenberg.
Um das Üben effektiver zu gestalten wurde 1994 erstmals ein Probenwochenende durchgeführt. Dazu begab man sich in die Jugendherberge im schönen Altenahr.
Hier wurde intensiv das Programm für die Jubiläumssession 1994/95 einstudiert. Dazu eine kleine Episode: Vom vielen Üben bekamen natürlich alle großen Hunger.
So gab es Samstagmittags eine Erbsensuppe, die jedoch so dünn war und Würstchen, die so klein waren, dass keiner satt wurde.
Für den Nachmittag war eine Wanderung mit dem Besuch der Sommerrodelbahn angedacht. Dafür hatten Kommandant Siggi Bündgen und Kamerad
Anti Wilsberg eigens Brötchen und Fleischwurst in der Stadt eingekauft. Doch schon vor der Wanderung stürzen sich alle ausgehungert
auf den Proviant, so dass für den Ausflug nichts mehr übrig war ...

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In den Jahren 1996 und 2001 wiederholte man ein solches Wochenende. Diesesmal fuhr man jedoch in die Jugendherberge nach 
Daun in der Eifel. Ein weiteres Gastspiel außerhalb des Karnevals gab man dann im Mai 1997. Der Junggesellenverein Rheinbrohl feierte sein 200jähriges bestehen
und hatte dafür ein Konzert mit den Bläck Fööss ausgerichtet. Um das Publikum entsprechend einzustimmen,
gabder Musikzug vorher ein eigenes Konzert und hatte dann die Möglichkeit anschließend das Fööss-Konzert zu genießen. Auch im benachbarten Ausland spielte der Musikzug.
Den ersten internationalen Auftritt hatte man in der Session 1994/95 in der Partnerstadt Pornic an der fernen Atlantikküste.
Als Begleitung von Prinz Wolfgang I. begab man sich auf die weite Reise. Dort nahm man am alljährlichen Karneval der MiCareme teil und spielte während des Festumzugs
und des Nachtumzugs sowie bei verschiedenen offiziellen Anlässen.

In den folgenden Jubiläumssessionen 1999/2000 und 2003/2004 begleitete manebenfalls den Prinzen und vertrat die rotweissen
Farben, im sonst eher blau-weiss dominierten Pornic (Foto Seite 26). Einen weiteren Auslandsauftritt hatte man dann im Rahmen eines Wochenendes auf der westfriesischen Insel Ameland im Jahr
1998. Dort nutzte man die Zeit, um zu proben und um am dortigen Kirmesumzug teilzunehmen.
Naja einige, um die Familienplanung abzuschließen.....

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Auch aus diesem Grund konnte dann 1999 leider nicht jeder mit über den großen Teich auf die große Reise nach Kanada. Glücklicherweise
konnten ein paar „Gastarbeiter“ verpflichtet werden, die den Musikzug tatkräftig bei diesem einmaligen Erlebnis unterstützt haben.
Im Corps-Jubiläumsjahr 2009 geht der Musikzug in das fünfundzwanzigste Jahr seines Bestehens. In diesen Jahren ist er von
sehr vielen Leuten unterstützt worden. So spielten in dieser Zeit fast einhundert Mädchen und Jungen, Frauen und Männer mit
viel Spaß und Elan für den Musikzug der Stadtsoldaten. Und so wird es auch in der Jubiläumssession und vielen weiteren heißen: “Dem Prinz zo
Ehr un Üsch zor Freud - spille mer jetz kölsche Leedcher vun fröher un heut!“ Im Jubiläumsjahr 2009 hat Jan-Erik Burkard die Leitung des Musikzuges übernommen.

Heute steht dem Musikzug Tambourmajor Markus Mollberg, der die musikalische Leitung übernimmt.