Nach dem karnevalslosen Jahr 1991 hatten die Stadtsoldaten Karneval 1992 gleich drei Großveranstaltungen mit Riesenerfolg durchgeführt: Manöverball, Fest in Rot-Weiß und Bürgerfrühschoppen.
In der Jahreshauptversammlung am 27.06.1992 trat Kommandant Martin Scherer aus beruflichen Gründen von seinem Amt zurück. Die Kameraden wählten Siggi Bündgen zu seinem Nachfolger. Er wurde somit erst der 7. Kommandant in der langen Geschichte des Corps. Friedhelm Pertzborn übernahm das nunmehr verwahrloste Amt des Adjutanten. Chefkassierer wurde Johannes Euskirchen.
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Siggi Bündgen, Corps-Kommandant seit 1992
Der 7. Kommandant in 75 Jahren Vereinsgeschichte.


Ein großes Problem, nämlich die Neubesetzung des verwahrlosten Postens des Tambourmajors für den Musikzug, konnte gelöst werden. Heinz Lück übernahm die Leitung des für das Corps inzwischen so wertvoll und wichtig gewordenen Musikzugs. Diese Besetzung sollte für das Corps zu einem Glücksgriff werden.  
Unter Führung des neuen Kommandanten Siggi Bündgen und des musikalischen Leiters Heinz Lück hatten die Stadtsoldaten sogleich ein wahres Mammutprogramm zu bewältigen. Auftritt in Vettelschoß anlässlich des 25jährigen Bestehens des befreundeten Tanzcorps Rot-Weiß Vettelschoß sowie einen mit der Schweren Artillerie gemeinsamen Auftritt in Brühl bei den Brühler Falkenjägern. Außerdem stattete man den Freunden von Blau-Gold Leubsdorf einen Besuch ab. Eigene Veranstaltungen des Corps waren  wieder Manöverball, Fest in Rot-Weiß und Bürgerfrühschoppen.  
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Tambourmajor „Hein“ Lück 2004 mit Musikzug in der Linzer Parterschaftsstadt Pornic/Frankreich
Zum 70. Corps-Geburtstag begleitete Corps und Musikzug den Jubiläums-Prinz Nipf I an die Atlantikküste.
 
1993 wurde auch eine wichtige und zukunftsweisende Entscheidung über die Umstrukturierung im Mitgliederbereich getroffen. Der Status des Ehrensenators wurde abgeschafft. Die ehemaligen Ehrensenatoren wurden in die inaktive Mitgliedschaft überführt und sind zukünftig somit enger mit dem Corps und dem Corpsleben verbunden.  
Im Karneval 1994 musste der Manöverball zum ersten Mal und bis heute glücklicherweise zum einzigen Mal wegen Hochwasser ausfallen. Das  Fest in Rot-Weiß konnte aber im Saal des Hotel Weinstock wieder statt finden.
Wegen des schweren Hochwassers und den dadurch entstandenen Schäden veranstaltete das Stadtsoldatencorps gemeinsam mit der Kamelle-Kapell am Karnevalssamstag eine Benefizveranstaltung auf dem Marktplatz. Die Veranstaltung fand großen Anklang. Den Erlös erhielten die besonders vom Hochwasser betroffenen Linzhausener Bürger. Die Kamelle-Kapell war eine in diesen Jahren in Linz sehr bekannte und beliebte Band. Die Musiker stammten alle aus den Reihen der Stadtsoldaten.

In der Jubiläumssession 1995 feierte das Stadtsoldatencorps aufgrund des im Jahr 1991 ausgefallenen Karnevals mit einem Jahr Verspätung seinen 60. Geburtstag. Jubiläumsprinz war der langjährige Klamottenbär (zur Erläuterung: der Klamottenbär ist für die Ausstattung der Stadtsoldaten verantwortlich) und echter Rheinbrohler Neger Wolfgang Kruft. Als Prinz Wolfgang I. von der närrischen Au eroberte er die Herzen der Linzer Karnevalsjecken. Seine Adjutanten waren die aktiven Stadtsoldaten  Mella Küpper und Friedhelm Pertzborn.
Die Geburtstagsfeier fand am 15.11.1994 mit vielen Gästen in der Stadthalle statt.
Karneval 1995 konnten die Stadtsoldaten auch eine Delegation des Deutschen Clubs und Karnevalsvereins Rot-Weiß Calgary (Kanada) willkommen heißen. Mit von der Partie war Wolfgang Schwyz, der von St. Katharinen nach Calgary ausgewandert war. Den Linzern war Wolfgang Schwyz  noch sehr bekannt, da er vor seiner Auswanderung sich als Mitglied des Linzer Schwimmclubs auch karnevalistisch betätigt hatte. Die Stadtsoldaten versprachen einen Gegenbesuch. Dieser sollte dann tatsächlich 1999 Wirklichkeit werden.
Die Stadtsoldaten hat im Jubiläumsjahr noch viele auswärtige Auftritte u.a. besuchten sie die Brühler Falkenjäger.

Am 17.02. und 19.02.1995 veranstaltete das Corps zum ersten Mal unter dem Motto “Zirkus Rot-Weiß” das närrische Wochenende in der Sporthalle am Miesgesweg.
Nach dem das Funkencorps Blau-Wiess 1994 als erstes Corps den Schritt in die Sporthalle gewagt hatte, konnten auch die Stadtsoldaten mit den Veranstaltungen in der Halle einen bombastischen Erfolg erzielen. Mit einem tollen Programm vor riesiger Kulisse mit vielen Kölner Kräften u.a. King Size Dick, Fussig Julchen, die Kolibris, das Kölner Traditionscorps der Altstädter und viele mehr begeisterten sie das Publikum.
Am 1. Aprilwochenende unternahm  Prinz Wolfgang I. mit einer großen Abordnung der Stadtsoldaten und dem Musikzug eine Fahrt an die Atlantikküste zur Partnerschaftsstadt Pornic/Frankreich. Gemeinsam mit den  Freunden der Karnevalsgesellschaft Mi-Careme nahmen sie an den Karnevalsfeierlichkeiten made in france teil.
Aber auch den “Kölsche” Karneval erlebten die Stadtsoldaten noch einmal. 1997 nahmen sie am Veilchen-Dienstag am Veedels-Zug in Köln-Mülheim teil. “Kamelle” war hier das vorherrschende Wort. Gott sei Dank war der Bagagewagen voll mit Wurfmaterial geladen.

Am 07.07.1999 war es endlich soweit. Nach 5 Jahren der intensiven Planung flogen 111 Stadtsoldaten einschließlich Musikzug und Stadtsoldatenfrauen über den großen Teich in das zweitgrößte Land der Erde nach Calgary (Kanada) in der Provinz Alberta. Dort findet alljährlich das größte Rodeo und die vermeintlich größte Freiluftveranstaltung der Welt statt. Es war ohne Übertreibung der bisherige absolute Höhepunkt in der langen Corpgeschichte. Die Freunde von Rot-Weiß Calgary, insbesondere durch die glänzende Organisation von Wolfgang Schwyz, boten den Linzer Stadtsoldaten eine unvergessene Woche. Höhepunkt der Reise war die Teilnahme an der großen Stampede-Parade. Vor fast einer Milllion begeisterten Zuschauern wurden die Stadtsoldaten und die übrigen 4000 Zugteilnehmer mit einem lauten “Welcome” und “Yahoo” begrüßt. Die Stadtsoldaten gewannen dabei auch einen deutschen Fan hinzu. Die Schauspielerin Marie-Luise Marjan, besser bekannt als Mutter Beimer von der Lindenstraße, stand am Straßenrand und jubelte den Stadtsoldaten zu. Bei einer  späteren Gelegenheit konnte Kommandant Siggi Bündgen Frau Marjan den Corpsorden überreichen.
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1999 – der bisherige absolute Höhepunkt in der 75jährigen Vereinsgeschichte
110 Linzer Stadtsoldaten mit Musikzug und Frauen nahmen an der weltbekannten Stampede-Parade in Calgary/Kanada teil
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Bereits vier Monate später nach der Rückkehr aus Kanada, starteten die Stadtsoldaten in die Milleniumssession 2000 6 x 11 Jahre. Wer anders als Kommandant Siggi Bündgen konnte die Stadtsoldaten und die Linzer Fastelovendsjecke in das nächste Jahrtausend führen. Als Prinz Siggi I. vum hohe Corps un all Linzer Strünzer übte er temperamentvoll aber mit viel Herz das Prinzenamt aus. Als Adjuntanten standen ihm sein Bruder Heinz Bündgen und Geschäftsführer Klaus Eurskirchen zur Seite. Prinz Siggi und die Stadtsoldatenfamilie feierten gemeinsam im Haus Bucheneck den Jahrtausendwechsel. Zum zweiten Mal veranstalteten die Stadtsoldaten in der Sporthalle am Miesgesweg das närrische Wochende. In altbewährter Stadtsoldatenmanier war es wieder ein berauschendes Fest. Als Vertreter von Kommandant Siggi führte Adjutant Friedhelm Pertzborn mit Bravour die Stadtsoldaten durch die Session.     

Ein weiterer Höhepunkt in der Corpsgeschichte war die Teilnahme der Stadtsoldaten am großen Umzug anlässlich des Rheinland-Pfalz-Tages in Koblenz am 15.06.2003. Viele helfende Hände hatten zuvor in wochenlanger Arbeit die Rheinfähre Linz-Remagen maßstabsgetreu nachgebaut. Das Motto lautete: Der Rhein trennt. Die Fähre verbindet. Die Stadtsoldaten wurden von den vielen Zuschauern am Straßenrand begeistert empfangen. Kommandant Siggi Bündgen fand die Gelegenheit, dem Ministerpräsidenten Kurt Beck den Corpsorden zu überreichen.
Das Uhlesessen im November 2003 war, neben der Eröffnung der Jubiläumssession 2004 zum 70 jährigen Geburtstag der Stadtsoldaten, auch noch aus einem anderen Grund eine Veranstaltung der besonderen Art. Der Traum von Kommandant Siggi Bündgen wurde endlich Wirklichkeit. Der neue Schellenbaum wurde den Geburtstagsgästen präsentiert. Dank der tatkräftigen finanziellen Unterstützung einiger Corpsmitglieder wird nunmehr der prachtvolle Schellenbaum bei Auftritten und Umzügen vorangetragen. In einer heiligen Messe für die Corpsmitglieder erhielt der Schellenbaum vom Corpsgeistlichen Frank Werner auch den kirchlichen Segen.
Jubiläumsprinz war Michael Schneider. Mit seiner rheinischen Lebensart eroberte er als Prinz Nipf I. vum stolze Corps un rheinischen Gemöt die Herzen der Linzer Jecke. Die Corpsmitglieder Bernd (Seifemann) Burkard und Manfred Rüddel unterstützten ihn als seine Adjutanten. Anlässlich des 70. Geburtstages des Stadtsoldatencorps waren die Stadtsoldaten zum dritten Male Ausrichter des närrischen Wochenendes in der Sporthalle Miesgesweg. Auch dieses Fest wurde in routinierter Weise erfolgreich über die Bühne gebracht.   
Schon in den 50er Jahren wurde aus den Reihen der Stadtsoldaten der Wunsch geäußert, sich ein eigenes Domizil anzuschaffen, in dem Fuhrpark, Material und Ausrüstung unter einem Dach aufbewahrt werden können. 2004 bot sich endlich die Gelegenheit. Auf Initiative von Wolfgang Kruft kaufte das Stadtsoldatencorps das “Buslay-Haus” in der Au. Zur Zeit wird die ehemalige Schreinerwerkstatt zu Vereinsräumen umgebaut.
Bei all den unzähligen offiziellen Terminen, Auftritten und Veranstaltungen, die das Corps in der nunmehr 75jährigen Geschichte zu bewältigen hatte, ist aber auch nicht die Geselligkeit zu Kurz gekommen. Mit alljährlichen Familienausflügen, Manövertouren, Uhlesessen und Versammlungen wird die Kameradschaftspflege intensiv betrieben. Insbesondere die jährliche Manövertour ist regelmäßig ein Höhepunkt in einem Vereinsjahr. Egal, ob es nun in die freie Natur geht oder ob eine“Kulturreise” ansteht. Das gemeinsame Erleben, der Spaß und der Frohsinn steht immer im Vordergrund. Unvergessen waren insbesondere die Fahrten nach Speyer zum Brezelfest, nach Würzburg zum Brückenfest, zum Weinfest nach Edenkoben in der Pfalz oder zu den großen Schützenfesten nach Lemgo oder Neuss.
Unter dem Motto "Mit kölsche Leedcher vun fröher un heut, fiere mer Fastelovend mit vill Spaß un Freud" war der langjährige Tambourmajor Heinz Lück der Linzer Prinz zum 75. Jubiläum 2009.
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Nach der Jubiläumssession hieß es nach über einem Jahrzehnt wieder einmal Abschied nehmen von der Führungsspitze. Kommandant Siggi Bündgen gab sein Amt ab und wurde zum Ehrenkommdandantenernannt. Ihm folgte als 8. Kommandant des Corps Markus Paffhausen.
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Die Stadtsoldatenfamilie ist seit den sechziger Jahren kontinuierlich angewachsen und inzwischen zu einer Großfamilie geworden. Mit heute über 70 Aktiven (mit allen Mitgliedern des Musikzuges zusammen  85 Uniformierte), 183 Inaktiven  sowie 36 Mitgliedern  der Frauennähgruppe  startet das Stadtsoldatencorps in die nächste Karnevalssession. Im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte kann mit Stolz die Feststellung getroffen werden, dass die von Corpsgründer Eduard Edelbluth im Jahre 1936 geäußerten Wünsche in Erfüllung gegangen sind.
Das Stadtsoldatencorps wird aber auch weiterhin das schöne Brauchtum des Karnevals in unserer geliebten Heimatstadt Linz mit allen Kräften pflegen und zu den anderen Linzer Corps freundschaftlich verbunden bleiben. Unabhängig von Alter, Rang und Namen wird es jedem Karnevalsinteressierten die Möglichkeit geben, in einer fröhlichen und kameradschaftlichen Gemeinschaft den Linzer Karneval zu erleben. Das Stadtsoldatencorps kann heute hoffnungsfreudig in die Zukunft blicken.