Mit guter Laune und viel Kondition von Haus zu Haus.
Bereits im Jahre 1935 wurden die Ehrensenatoren von den Kameraden „besucht“ und in das Vereinslokal, teilweise sogar in Handschellen, abgeführt, also verhaftet.

Herzlicher Empfang wie bei guten Freunden

Viele Linzer Bürger freuen sich jedes Jahr am Karnevalssonntag auf den Besuch der Verhaftungsteams.Wie zum Bespiel 1951, als die treuen Mitarbeiter der „Großen Linzer“: Willi Vesper, Severin Schoop, Willi Heckenbach und Frau Zogbaum dem Gericht zur Aburteilung zugeführt wurden. Nach Verlesung der Anklageschrift durch den Kommandanten und Zahlung eines entsprechenden Lösegeldes wurden die Genannten zu Ehrensenatoren des Corps ernannt. Das Verhaften in der heutigen Form wurde 1958 eingeführt. Am 5. Februar 1958 beschlossen die Kameraden auf einer Monatsversammlung, die Stadt in Reviere aufzuteilen, um so ganz Linz in den Genuss des Verhaftens kommen zu lassen.


„... in der heutigen Form“ ist so aber nicht mehr ganz richtig. In den 60er Jahren schafften es die meisten Kameraden noch bis 17:00 Uhr im Wachlokal zu erscheinen und anschließend
den Prinzenball zu besuchen. Für heutige Verhältnisse undenkbar! Doch wer jetzt denkt, das Verhaften an sich sei ja schon ein Erlebnis, der sei an dieser Stelle eines Besseren belehrt.
Zumeist fängt die „Verhaftungssaison“ bereits mit dem Einteilen der Reviere auf der letzten Versammlung vor Rosenmontag an.
An und für sich sollte man doch meinen, dass es möglich sein sollte, ohne großen Aufwand ein paar Straßen auf die aktiven Kameraden zu verteilen. Die Tatsache, dass der Stadtsoldat an sich ja eigentlich ein Gewohnheitstier ist, sollte diese Vermutung untermauern.
Doch was letztes Jahr noch gut und schön war, muss dieses Jahr ja noch lange nicht mehr passen. So begab es sich zum Bespiel 1970, dass Kamerad Fred Schmitz ein kleineres Revier haben wollte, da er ja bei einem Revier außerhalb der Stadt viel laufen und somit auch viel schwitzen müsse ...
Auch die Änderungen der Reviere sorgten von je her für stundenlange Diskussionen.
Denn wenn einem Kameraden der Verlust einer heiß geliebten Straße droht, wird auch mal um jeden Meter gefeilscht. Und selbst wenn der Kamerad dann eine Straße zusätzlich erhalten sollte, geht dies nicht ohne stundenlanges Diskutieren von statten.
Am Karnevalssonntag geht es dann erst richtig los. Doch zuerst wird das übliche Pflichtprogramm abgespult: Aufstehen, Duschen (hoffentlich), das Mariechen und den Prinzen abholen und klägliches Versagen bei der Verteidigung des Linzer Rathauses gegen den geballten Ansturm der Angreifer.


Nachdem im Verhaftungslokal die Verhaftungsutensilien, bestehend aus Häuschen, Kugelschreiber und Block mit Verhaftungsbelegen, abgeholt werden, geht es in die Reviere.
Natürlich werden sich noch die üblichen Ermahnungen des Kassierers angehört:
„Bitte geht die Reviere zu Ende. Benehmt Euch und schüttet nicht alles in Euch rein!“
Doch kaum, dass beim ersten Haus geklingelt wird, sind diese mahnenden Worte
auch schon wieder vergessen. Anders sind die vielen sagenumwobenen Geschichten
über die Kameraden nicht zu erklären.
Gerade das Thema „fliegen“ scheint es dabei den Kameraden besonders angetan zu haben.
Sei es, dass man rücklings mit einem kompletten Sofa „umfliegt“, die Rheinstraße als
Startbahn benutzen will und natürlich – der Klassiker – „Fliegen vom Stuhl für Anfänger“.
Der Rekord liegt hier bei 5 x pro Stunde!
Besonders hervorheben sollte man auch die vorbildliche Hilfsbereitschaft der Stadtsoldaten.
So passierte es einmal, dass ein Kamerad zu später Stunde nicht mehr ganz im Besitz seiner
motorischen Fähigkeiten war, die Kurve nicht mehr richtig erwischte und galant einen
Abhang hinunter segelte.
Nun mag man meinen, der Rest des Teams würde dies zum Anlass nehmen, sich über
den Kameraden lustig zu machen.
Nicht so bei den Stadtsoldaten. Einer Gazelle gleich versuchte nun einer der Verhaftungspartner
seinem geliebten Freund zu Hilfe zu eilen.
Dieser, ebenfalls bereits in einem kritischen Zustand, flog jedoch noch 3 Meter weiter den Berg herunter. So konnten beide
nur mit Hilfe eines dritten Kameraden und der Nachbarschaft aus ihrer Misere befreit werden.

Ja, ja. Verhaften macht müde...

Schließlich gilt es doch das Häuschen unversehrt beim Penningszäller – und auch wirklich nur beim Penningszäller – abzugeben.
Doch was, wenn dieser frühzeitig seinen Posten aufgeben muss? Denn nicht nur die Kameraden geben alles. Auch die Kommandantur muss ihr Stehvermögen unter Beweiß stellen. Denn schließlich wollen auch die älteren inaktiven Kameraden besucht werden. Was natürlich unweigerlich mit der Vernichtung des einen oder anderen Kaltgetränkes verbunden ist.
Doch bei all dem Spaß und den lustigen Geschichten sollte nicht vergessen werden, dass es gerade viele ältere Mitbürger sind, die sich das ganze runde Jahr auf den Besuch der Stadtsoldaten-Kameraden freuen.

Gut gelauntes Verhaftungsteam in den 80er Jahren


Da kommt sogar bei einem Strafbefehl Freude auf. Aber nicht nur der Abhang stellt für den gemeinen Stadtsoldaten einen beliebten Aufenthaltsort dar. So kommt es bei Zeiten auch mal vor, dass man seinen Ausnüchterungsschlaf unter einem parkendem Auto oder in einer Badewanne hält. Auch Vorgärten können schnell das heimische Bett ersetzen. Und da einem Stadtsoldaten beim Verhaften nichts heiliger ist als sein geliebtes Häuschen, wird dieses auch schon mal unter Einsatz des eigenen Lebens aus dem Bach geangelt.Wie es da herein kam, bleibt an dieser Stelle unerwähnt...

Das Verhaftungshäuschen der Stadtsoldaten