in absoluter Höhepunkt in der Stadtsoldaten-Geschichte
Es gibt im Leben viele Geschichten, die „dat Leeve schriev“. Die meisten sind schnell wieder
vergessen. Es gibt aber auch solche Geschichten, die man nicht vergisst und die es
verdienen, dass man sie erzählt.
Es war einmal im Jahr 1994. In der Stadtsoldatenversammlung am 30. März 1994 berichtete Geschäftsführer Klaus Euskirchen von seinem anstehenden Besuch in Calgary/ Kanada. Dort trifft er sich mit Deutschen,
die ausgewandert sind und dort einen Karnevalsverein gegründet haben. Passenderweise „Rot-Weiß Calgary“. Da ein Besuch der Deutsch-Kanadier an Karneval 1995 geplant war, machte Geschäftsführer Klaus
Euskirchen den Vorschlag eines Gegenbesuches und der Teilnahme an einer großen Parade.
Natürlich waren die meisten Kameraden sofort begeistert und man entschied sich, die Planungen für eine große Tour aufzunehmen.
Zunächst sollte die Tour im Jahr 1998 statt finden. Aufgrund der ungünstigen Terminierung der Sommerferien wurde das Groß-Projekt schließlich auf das Jahr 1999 verschoben. Die große Frage die sich stellte
war natürlich das liebe Geld. Um jedem Kamerad und Mitglied die Möglichkeit zu geben an dieser Unternehmung teilzunehmen, wurden Sparverträge eingerichtet. 50,00 DM
pro Monat und nach großem Interesse später einen über 75,00 DM pro Monat, so das alle Mitsparer genügend Geld für einen einwöchigen Aufenthalt in Calgary hatten.
Natürlich sind bei Reisen dieser Größe einige Schwierigkeiten zu überwinden. Das einige Kameraden lieber die 7.350 km zu Fuß gegangen bzw. geschwommen wären, anstatt
sich in einen Flieger zu setzen, konnte man getrost noch als kleinstes Problem ansehen.
Eher musste die schwer zu beantwortende Frage, wie bekommt man das umfangreiche Gepäck nach Kanada transportiert, gelöst werden. Denn schließlich mussten doch
alle Uniformen, Instrumente, Kabüse und Zachabele über den großen Teich. Und als Handgepäck wäre es schwierig geworden. Per Container und mit dem Schiff wurden
diese wichtigen Utensilien vorausgeschickt. Auch die übrigen Probleme konnten letztendlich gelöst werden und nach langer Planung der Reise und nach Abrechnung der
vielen Sparverträge konnte es am 07.07.1999 endlich losgehen. 111 zumeist nervöse und aufgeregte Reiseteilnehmer trafen sich morgens an der Sporthalle am Miesgesweg um die Reise zu starten.
Für das Gepäck stand ein 7,5 t-LKW zur Verfügung und die Stadtsoldatenfamilie nahm in 2 Reisebussen Platz.
So ging es zum Flughafen Düsseldorf. Es ist ja schon ein besonderes Schauspiel, wenn 111 Linzer Karnevalisten Düsseldorf stürmen, um natürlich neben dem Abflug nach
Kanada den Düsseldorfern noch ein wenig Frohsinn zu bringen. Aber genau wie die Düsseldorfer Probleme mit dem Rheinischen Frohsinn haben, hatten auch die Flugbegleiter
von Flug R9F4X Canada 3000 zeitweise ihre Probleme mit den Stadtsoldaten:
Punkt 1: Freie Platzwahl geht leider nicht.
Punkt 2: Der Kabinengang ist keine Theke und auch kein Treffpunkt.
Punkt 3: Mitgebrachter Schnaps ist nicht erwünscht.
Doch irgendwie musste man ja die 13 Stunden Flug hinter sich bringen. Nach einer Achterbahn-Landung, kamen alle Kameraden mit mehr oder weniger gesunden Gesichtsfarbe
aus dem Flugzeug und wurden direkt von 2 Cowboys begrüßt und von Kamerad Ralf Kirchbaum mit Frau, die bereits längere Zeit in Kanada waren. Bevor es endlich
ins Hotel gehen konnte, wurde der ganze Tross hoch offiziell im Flughafengebäude begrüßt. Quasi ist jetzt jeder Ehrenbürger.
„Because I speak Englisch very well, aber ich find die Wörter halt nicht so schnell“.
Mit original gelben Schulbussen ging es nach Downtown zum Hotel Sandmann Inn. Man merkte den Teilnehmern den langen Flug an. Nach der ersten Begegnung mit kanadischem
Essen, ging es für die meisten ins Bett. Ein schönes Lokal im Erdgeschoss des Hotels war der Nahrungslieferant für die Woche.
Die Speisekarte dieses Fast Food Restaurants kann man getrost als reichhaltig bezeichnen:
Hauptbestandteil Fleisch. Burger klein, Burger groß, Steak klein, Steak groß.
Alles was das Herz begehrt. Wer hier den guten Bauernsalat suchte, suchte vergeblich.
Es gab Salat, halt nur auf den Burgern. Jeder Vegetarier hätte jetzt schon das Rückflugticket in der Hand, aber immerhin konnte man ja noch Fritten essen.
Und so begann man den ersten Tag in Kanada mit einem zünftigen Frühstück und mit wichtigen „Cerealien“: Fleisch. Deswegen kann man getrost von gut gestärkt sprechen,
als die Reisegruppe die erste Erkundungsfahrt machte. Natürlich mit dabei die Deutsch-Kanadier Wolfgang und Waltraud Schwyz, die Hauptorganisatoren der Reise und Georg
Scholl, besser bekannt als „de Schorsch“. Schorsch war in der Woche Kanada nämlich der Kameramann und er filmte alles und jeden auf der Tour. Daraus entstand auch
das großartige Kanadavideo, was in keinem Schrank fehlt.
Und eben jenes Video zeigt auch die ersten Eindrücke. Sei es der Blick auf die beeindruckende Skyline von Calgary mit Blick über diese riesige
Stadt oder natürlich der Besuch der Olympiastätten der Winterolympiade von 1988.
Der Nachmittag stand dann allen zur freien Verfügung. Und bei strahlendem Sonnenschein kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sei es die Hochhäuser, die alten
Gebäude mittendrin oder natürlich die Geschäfte. Alleine in das Einkaufszentrum hätte das Löhrcenter zehnmal reingepasst.
Diesen ersten tollen Tag ließ man dann gemeinsam im Restaurant „Quincy´s“ ausklingen.
Und natürlich probierte man schon mal im Hotel die Bar aus, wenn auch nicht zu lange.
Denn es folgte der Höhepunkt der Reise. Die Teilnahme an der Stampede Parade.
Es war Freitagmorgen ca. 05:30 Uhr als die Ersten aufstanden, um sich fertig zu machen.
Hinein in die staatse Uniform, die Stiefel poliert und der Helm geputzt traf man sich in der Hotellobby, um gemeinsam zum Frühstück zu fahren. Richtig gelesen: Frühstück.
Ganz wie beim Prinzenabholen Rosenmontag, wurde der gesamte Tross mit Bussen in eine Schulaula gefahren, wo alle Paradeteilnehmer nach strengem Zeitplan verpflegt
wurden. Wer jetzt hoffte, das bereits herbeigesehnte Mett- oder Käsebrötchen zu bekommen, wurde leider enttäuscht. Amewerican Breakfast hieß es: Würstchen, Rührei,
Bratkartoffeln, zusammen mit Kakao, Kaffee und einer Auswahl von ca. 300 Donutsorten gab den Teilnehmern die Kraft für die kommenden Aufgaben.
 
Angeführt von einer Polizeieskorte ging es zum Aufstellungsplatz. Rosenmontag ist ja schon schön, aber diese Parade übertraf alles bisher Erlebte. Zwar fehlte das Bier ein
wenig und Stockungen gab es auch keine im Zug, doch vor einer Million Zuschauer durch die Häuserschluchten bei Sonnenschein zu marschieren ist einfach ein unglaubliches Erlebnis. Wie sagt man so schön,
die Welt ist klein: Am Straßenrand stand sogar Marie Luise Marjan, besser bekannt als Mutter Beimer aus der Lindenstraße, die natürlich erfreut war, eine Gruppe aus der Heimat zu sehen.
Nach vielen Eindrücken und sicherlich auch ein wenig verschwitzt ging es zum kurzen Zwischenstopp ins Hotel um anschließend gemeinsam im Deutschen Club zu feiern.
Hervorragend bewirtet mit T-Bone Steaks und kanadischem Bier ließen es sich alle gut gehen. Zwar war der Kommandant ein wenig geschädigt von einem Insektenstich, den
er sogar im Krankenhaus behandeln lassen musste, dennoch wurde gemeinsam mit den Kanadischen Freunden bis spät in die Nacht gefeiert.
Was wäre ein quasi Rosenmontagszug ohne Kneipenbesuch? Richtig! Kein wirklich perfekter Tag.
Also ging es nach dem Deutschen Club mit allen verfügbaren Kräften in die Hotelbar. Übrigens hat die Hotelbar in dieser Woche mehr Bier verzapft als sonst in
einem Monat. Die nette Bedienung rief sogar ihren Chef an, um die Öffnungszeiten zu verlängern.
Für die meisten stand morgens lockeres Einkaufen und Bummeln auf dem Programm, aber der bedauernswerte Musikzug musste einen offiziellen Termin wahrnehmen: Auftritt
in Uniform auf einem Platz in der Innenstadt. 25 Musiker auf einem Platz, der eigentlich für 1.000 Menschen bestimmt war.
Es sah sehr lustig aus, war es auch. „Och wat wor dat fröher schön doch in Colonia“ mitten in Calgary hat schon was, auch
wenn nur die Stadtsoldaten am Rand ausgelassen mitsangen. Am Nachmittag folgte dann ein weiterer Höhepunkt: Das weltbekannte Rodeo auf dem Festivalgelände.
Quasi Pützchens Maat nur 3 x größer plus einer bescheidenen Rodeo-Arena mit 30.000 Sitzplätzen. Ein einzigartiges Erlebnis mitBullenreiten, Pferderodeo und allem was dazu
gehört. Zwischendurch ein Hot Dog und schon ging es Abends weiter mit Planwagen Rennen.
Dieses war ebenso spektakulär wie das Rodeo und einfach unbeschreiblich. Zum Abschluss gab es noch ein Abschlusskonzert oder besser gesagt ein Musical mit großem
Feuerwerk und alle waren sich einig, dass vergisst so schnell keiner. Natürlich landete der eine oder andere anschließend noch für ein, zwei Bier in der Hotelbar.
Am Sonntag den 11. Juli 1999 konnte man endlich die Uniform wieder anziehen um gemeinsam in „Spruce Meadows“ an der Pausenshow der Nordamerikanischen
Reit- und Springmeisterschaften teilzunehmen.
Angenehm bei ca. 30 Grad, aber eine Marching Band aus den USA verpflegte die komplette Mannschaft mit Wasser. Der Abend stand zur freien Verfügung. Die Älteren
gingen in die Stadt oder waren beim Grillfest bei Wolfgang Schwyz eingeladen, die Jüngeren zog es in eine Bar namens „Cowboys“. Naja, der Name „Cowgirls“
wäre eher zutreffend, aber darauf wollen wir hier nicht eingehen. Doch die Kameraden die da waren, werden jetzt ein Lächeln im Gesicht haben.
Den Abschluss der Tour bildete die Fahrt indie Rocky Mountains. Sagenhafte Natur, unendliche Weite. Sätze die man eigentlich aus schlechten Hollywood Filmen kennt, waren
hier Wirklichkeit. In gemütlichen Bussen die für Deutsche Straßen ein wenig groß wären, ging es hinein in das Herz Kanadas.
schon sagt ein Bergfluss mit vielen Wasserfällen. Hier kam es auch zu einer Begegnung mit den öffentlichen Toiletten. Ist man doch in der Heimat Türen gewohnt, die quasi vom
Boden bis zur Decke reichen, ist es hier eher Brauch solche Türen zu nehmen, die gerade mal einen Meter hoch sind, so das jeder Gast eigentlich alles sieht, was gerade im
stillen Örtchen so vor sich geht. Na ja, andere Länder, andere Sitten halt. Nach einer längeren Fahrt durch die Natur, mit Blick auf zahlreiche Tiere, wie z.B. einem kleinen
Grizzly, ging es zum Chateau Lake Louis, einem kleinen „familiären“ 1000 Betten Hotel, das direkt an einem Bergsee liegt. Und immer wenn man denkt, man kann eigentlich
nicht mehr beeindruckt werden, steht man vor solch einem Prachtbau.
Hier wurde dann gemeinsam gespeist. Und endlich gab es auch mal „vernünftiges“ Essen:
Kartoffeln, Gemüse, Obst, einfach alles was das Herz begehrte. Mit vollem Magen ging es weiter in Richtung Banff, einem kleinen Touristenort wo noch mal ein wenig
Shopping auf dem Programm stand, ehe es zum Abschluss auf eine Ranch ging. Wildwest Feeling pur. Ein würdiger Rahmen für die Abschlussfeier mit viel Gegrilltem, Live
Musik und natürlich dem ein oder anderem Kaltgetränk. Leider hieß es aber jetzt Abschied nehmen. Abschied von dieser einmaligen Tour, dem tollen Land und leider
auch von der Stadt und den kanadischen Freunden. Zu Tränen gerührt waren diese,
als Kommandant Siggi Bündgen stellvertretend für alle Kanadier Wolfgang und Waltraud Schwyz ein Corpsbild überreichte und einfach nur Danke sagte für dieses einmalige Erlebnis.
Es folgte natürlich auch der letzte Abend in der Hotelbar, wo noch mal lange und ausgiebig gefeiert wurde. Am nächsten Morgen war dann die große Verabschiedung
unter den Teilnehmern. Viele machten sich bereits morgens auf den Weg, das Land zu erkunden und die, die nach Hause flogen, nutzten die Stunden noch mal für ein wenig
Shopping.
Eine Reise und eine Geschichte, die es wirklich verdient hat immer wieder erzählt zu werden.